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Stalking beweisen: Was § 238 StGB verlangt und wie man ein Stalking-Tagebuch führt

Seit Oktober 2021 genügt für die Nachstellung nach § 238 StGB, dass der Täter wiederholt handelt; Strafe bis zu drei Jahren. Nach dem Gewaltschutzgesetz kann das Gericht Kontakt- und Näherungsverbote erlassen. Beweisen heißt sammeln: Nachrichten, Anrufe, Zeugen und ein Tagebuch, notfalls mit der eigenen Stimme. Dazu Österreich und die Schweiz, wo Stalking seit 2026 strafbar ist.

Stalking in Deutschland, Österreich und der Schweiz: überall strafbar, in der Schweiz seit 1. Januar 2026; Anrufe heimlich aufnehmen in Deutschland und der Schweiz strafbar, in Österreich nicht; ein Tagebuch mit der eigenen Stimme direkt nach dem Vorfall ist überall unproblematisch.

Er steht wieder gegenüber der Haltestelle. Die dritte Nachricht heute, von einer neuen Nummer. Bei der Polizei hörten Sie letztes Mal: „Haben Sie Beweise?“

Einzeln wirkt jedes Ereignis harmlos. Zusammen nicht.

Stalking ist ein Delikt der Wiederholung. Deshalb muss sich auch der Beweis wiederholen — Vorfall für Vorfall, mit Datum.

Deutschland, Österreich, Schweiz im Vergleich

Frage Deutschland Österreich Schweiz
Straftatbestand Nachstellung, § 238 StGB Beharrliche Verfolgung, § 107a StGB Nachstellung, Art. 181b StGB (seit 1.1.2026)
Strafe Bis 3 Jahre oder Geldstrafe Bis 1 Jahr oder 720 Tagessätze; über 1 Jahr Tatzeitraum bis 3 Jahre Bis 3 Jahre oder Geldstrafe
Verfolgung Hier nicht ausgewertet Hier nicht ausgewertet Auf Antrag
Schutzanordnung Gewaltschutzgesetz, § 1 Hier nicht ausgewertet Hier nicht ausgewertet
Anrufe heimlich aufnehmen Strafbar (§ 201 StGB) Eigenes Gespräch nicht strafbar Strafbar (Art. 179ter StGB)

§ 238 StGB: „wiederholt“ statt „beharrlich“

§ 238 StGB bestraft, wer einer anderen Person unbefugt nachstellt in einer Weise, die geeignet ist, ihre Lebensgestaltung nicht unerheblich zu beeinträchtigen — etwa indem er wiederholt ihre räumliche Nähe aufsucht, Kontakt über Telefon, Nachrichten oder Dritte herzustellen versucht oder ihre Daten missbraucht. Strafe: bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe oder Geldstrafe.

Die Reform, die am 1. Oktober 2021 in Kraft trat, hat die Schwelle gesenkt: Statt „beharrlich“ genügt jetzt „wiederholt“. Und statt einer „schwerwiegenden“ reicht eine „nicht unerhebliche“ Beeinträchtigung. Genau deshalb kommt es auf die Zahl und das Muster der Vorfälle an — und die müssen Sie belegen.

Nicht auf das Strafverfahren warten: das Gewaltschutzgesetz

Nach § 1 des Gewaltschutzgesetzes kann das Gericht auf Antrag anordnen, dass der Täter

  • Ihre Wohnung nicht betritt und sich ihr nicht nähert,
  • bestimmte Orte meidet, an denen Sie sich regelmäßig aufhalten,
  • keinen Kontakt aufnimmt, auch nicht per Telefon oder Nachricht,
  • kein Zusammentreffen herbeiführt.

Das gilt ausdrücklich auch, wenn jemand Ihnen gegen Ihren erklärten Willen wiederholt nachstellt oder Sie mit Fernkommunikationsmitteln verfolgt. Ihr „Lass mich in Ruhe“ — schriftlich, mit Datum — ist deshalb selbst ein wichtiges Beweisstück.

Was Sie sammeln

  • Screenshots jeder Nachricht, mit sichtbarem Datum und Absender — bevor sie gelöscht wird.
  • Anruflisten und Mailboxnachrichten. Was der Stalker selbst hinterlässt, dürfen Sie aufbewahren.
  • Fotos: das Auto vor dem Haus, Geschenke vor der Tür.
  • Namen von Zeugen, die etwas gesehen oder gehört haben.
  • Ihr klares Nein, einmal schriftlich.
  • Ein Stalking-Tagebuch: jeder Vorfall mit Datum, Uhrzeit, Ort, Ablauf, Zeugen — und wie er Ihr Leben verändert (andere Wege, Umzug, Krankmeldung). Genau das ist die „Beeinträchtigung der Lebensgestaltung“, die § 238 verlangt.

Warum Sie das Telefonat nicht heimlich aufnehmen

In Deutschland ist die unbefugte Aufnahme des nichtöffentlich gesprochenen Wortes nach § 201 StGB strafbar — auch für Gesprächsteilnehmer. Das gilt auch gegenüber einem Stalker. Mehr in Gespräch heimlich aufnehmen: In Deutschland strafbar, in Österreich nicht.

Das Tagebuch mit der eigenen Stimme

Unproblematisch ist die eigene Stimme. Direkt nach einem Vorfall festzuhalten, was passiert ist, wo, wann, was gesagt wurde und wer dabei war, ist keine Aufnahme fremder Worte. Je näher am Vorfall, desto genauer.

Nur: Direkt danach zittern oft die Hände, und Sie wollen das Handy nicht vor den Augen des Stalkers herausholen. TalkSafe ist eine Aufnahme-App für Android, die bei einem vorher festgelegten Wort startet und bei gesperrtem Bildschirm funktioniert. Legen Sie ein Wort wie „Notiz“ fest; sobald Sie es sagen, beginnt die Sprachnotiz — das Handy bleibt in der Tasche. Beim Schneiden bleibt das Original erhalten.

Aufnahmeverlauf in TalkSafe. Jedes Mal, wenn ein Schlüsselwort erkannt wird, wird eine Aufnahme mit Datum und Uhrzeit gespeichert.
Aufnahmeverlauf. Jede Datei enthält auch die 30 Sekunden, bevor das Schlüsselwort erkannt wurde.

In Österreich ist die Aufnahme eines Gesprächs, an dem Sie teilnehmen, nicht strafbar; das Weitergeben ist eine andere Frage.

Österreich und die Schweiz

  • Österreich: Die beharrliche Verfolgung ist nach § 107a StGB strafbar — mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe bis zu 720 Tagessätzen; dauert die Tat länger als ein Jahr, drohen bis zu drei Jahre. Erfasst sind unter anderem das Aufsuchen der räumlichen Nähe, Kontakte über Telekommunikation oder Dritte und das Veröffentlichen privater Bilder ohne Zustimmung.
  • Schweiz: Seit dem 1. Januar 2026 ist Stalking als Nachstellung nach Art. 181b StGB ausdrücklich strafbar: wer jemanden beharrlich verfolgt, belästigt oder bedroht und dadurch in der Lebensgestaltung erheblich einschränkt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft. Die Tat wird auf Antrag verfolgt — Sie müssen selbst Anzeige erstatten.

Kurz gesagt

  • Stalking ist strafbar — in Deutschland reicht seit 2021 wiederholtes Nachstellen (§ 238 StGB).
  • Das Gewaltschutzgesetz ermöglicht Kontakt- und Näherungsverbote, ohne das Strafverfahren abzuwarten.
  • Beweisen heißt sammeln: Screenshots, Anruflisten, Mailbox, Zeugen, Ihr schriftliches Nein, ein Tagebuch.
  • Telefonate nicht heimlich aufnehmen — aber das Tagebuch mit der eigenen Stimme direkt danach.

Was man mit einer Aufnahme danach tut: Was man mit einer Aufnahme tun sollte – und was nicht.

Allgemeine Information, keine Rechtsberatung. Bei akuter Gefahr rufen Sie die Polizei (110 in Deutschland, 133 in Österreich, 117 in der Schweiz). Im Einzelfall eine Anwältin, einen Anwalt oder eine Beratungsstelle fragen.

Ab wann ist Stalking in Deutschland strafbar?

Nach § 238 StGB macht sich strafbar, wer einer anderen Person in einer Weise unbefugt nachstellt, die geeignet ist, deren Lebensgestaltung nicht unerheblich zu beeinträchtigen, indem er wiederholt etwa ihre räumliche Nähe aufsucht oder Kontakt über Telekommunikationsmittel oder Dritte herzustellen versucht. Seit der Reform, die am 1. Oktober 2021 in Kraft trat, verlangt das Gesetz wiederholtes statt beharrliches Handeln. Die Strafe beträgt bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe oder Geldstrafe.

Was kann ich gegen einen Stalker tun, ohne auf das Strafverfahren zu warten?

Nach § 1 des Gewaltschutzgesetzes kann das Gericht auf Antrag anordnen, dass der Täter die Wohnung nicht betritt, sich ihr nicht nähert, bestimmte Orte meidet, keinen Kontakt aufnimmt, auch nicht über Fernkommunikation, und kein Zusammentreffen herbeiführt. Das gilt ausdrücklich auch, wenn jemand einer Person gegen ihren erklärten Willen wiederholt nachstellt oder sie mit Fernkommunikationsmitteln verfolgt.

Welche Beweise brauche ich bei Stalking?

Stalking ist ein Wiederholungsdelikt, also müssen auch die Beweise sich summieren: Screenshots von Nachrichten mit Datum, Anruflisten, Mailboxnachrichten, Fotos, Namen von Zeugen und ein Stalking-Tagebuch, in dem jeder Vorfall mit Datum, Uhrzeit, Ort und Ablauf festgehalten wird, möglichst direkt danach.

Darf ich Anrufe des Stalkers aufnehmen?

In Deutschland ist die unbefugte Aufnahme des nichtöffentlich gesprochenen Wortes nach § 201 StGB strafbar, auch für Gesprächsteilnehmer. Nachrichten, die der Stalker selbst hinterlässt, etwa auf der Mailbox oder als Sprachnachricht, dürfen Sie aufbewahren. Unproblematisch ist auch ein Gedächtnisprotokoll mit der eigenen Stimme direkt nach dem Vorfall; mit TalkSafe lässt es sich über ein Schlüsselwort starten, ohne das Handy herauszuholen.

Ist Stalking in der Schweiz und in Österreich strafbar?

In der Schweiz ist Stalking seit dem 1. Januar 2026 als Nachstellung nach Art. 181b StGB strafbar, mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe; die Tat wird auf Antrag verfolgt. In Österreich ist die beharrliche Verfolgung nach § 107a StGB mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldstrafe bis zu 720 Tagessätzen bedroht, bei einem Tatzeitraum von mehr als einem Jahr mit bis zu drei Jahren.